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Juni 27, 2022

Berufsbild Tatortreiniger: Welche Ausbildung benötige ich?

Alle Infos zum Berufsbild Tatortreiniger

Das Berufsbild Tatortreiniger: (K)ein Beruf für Jedermann?

Tatortreiniger ist aufgrund der vielseitigen Anforderungen kein Beruf für jedermann und erfordert nicht nur sehr viel Reinigungs-, Desinfektions- und Schädlingsbekämpfungs-Fachwissen, sondern auch ein ganzes Package an persönlicher Eignung, das als Berufsqualifikation mitzubringen ist.

Außer der fachlichen Eignung sind nämlich auch ein starker Magen, eine hohe Ekel-Toleranz, die Fähigkeit Blut sehen zu können und im Idealfall auch keine zu empfindliche Nase unabdingbar – denn nicht selten ist der Leichnam nicht mehr unbedingt frisch. Psychische Stabilität ist ebenfalls fast schon ein Muss, da durchaus auch belastende Konstellationen aufgefunden werden können, auch wenn die Leiche/n vor dem Einsatz meist schon entfernt worden sind. Ist man zu zart besaitet, geht einem der Beruf irgendwann sonst zu sehr an die Substanz.

Schließlich ist hier die Berufsbezeichnung Programm und man hat es zumeist mit der Aufbereitung von Leichenfundorten zu tun, auch wenn es sich nicht zwingend immer um Opfer eines Gewaltverbrechens handeln muss.

Zudem ist auch gutes Einfühlungsvermögen und Pietät erforderlich, da Sie oft nicht nur mit den regulären Auftraggebern wie Polizei, Vermietern, Hausverwaltungen, Hotels oder Immobilieneigentümern zu tun haben, sondern auch mit den Angehörigen der Verstorbenen, mit denen es einen eifühlsamen Umgang erfordert.

Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit sind ebenfalls Eigenschaften, die Sie mitbringen sollten, wenn Sie sich für diesen Berufszweig entscheiden sollten. Denn wenn man nicht penibel genau arbeitet, können Lücken und dadurch infektiöse Keime oder Geruchsquellen übrigbleiben und später wieder Probleme verursachen.

Tatortreiniger werden
Tatortreiniger Ausbildung beim Hygieneinstitut Schubert: Fachkunde zur Aufbereitung von Leichenfundorten (Lehrgang zum geprüften Tatorteriniger)

 

Einsatzbereiche eines Tatortreinigers

Wie schon erwähnt ist ein Tatortreiniger für Fälle zuständig, bei denen die Expertise und Fähigkeiten regulärer Gebäudereiniger enden. Sei es regulärer Tod, Mord oder Suizid von Patienten, Bewohnern oder Fremdpersonen:

auf Anordnung von Behörden oder Amtsärzt*innen führen Sie als Tatortreiniger nach dem Ableben von Personen alle notwendigen Desinfektions- und Entwesungsarbeiten durch, die je nach Zustand notwendig sind.

D.h. Sie müssen alle Überreste, Rückstände und Gerüche des Verwesungsprozesses oder von Körperflüssigkeiten, eventuelles Ungeziefer und ggf. auch unwiederbringlich beschädigtes Inventar fachgerecht entsorgen. Sie müssen alles in einen Zustand zurückversetzen, von dem keine Gesundheitsgefahren mehr ausgehen.

In den letzten Jahren werden Tatortreiniger allerdings auch immer öfters bei der Aufbereitung von Messie-Wohnungen bevorzugt zur Hilfe gerufen. Dies liegt daran, weil reguläre Reinigungsfachkräfte je nach Verschmutzungsgrad damit überfordert sind. Bei Verwesung, Kontaminationen sowie Schädlingsbefall fehlt diesen schlichtweg das notwendige Fachwissen und Handwerkszeug für solche Spezialfälle. Auch Unfallorte ergänzen inzwischen immer mehr das Tätigkeitsfeld.

Die konkrete Ausbildung zum Tatortreiniger

Leider ist die Tatortreinigung in Deutschland (noch) kein anerkannter Ausbildungsberuf und somit auch durch keine Ausbildungsordnung geregelt. Im Endeffekt ist es „nur“ eine Zusatzqualifikation und eine Tätigkeitsbeschreibung, die man auf verschiedensten Wegen und aus vielen Gründen innerhalb nur weniger Tage erwerben kann. Die Kosten liegen meist zwischen 250 und 500 EUR.

Es gibt keine geregelten beruflichen Voraussetzungen, um an einem solchen Kurs teilnehmen zu können. Auch gibt es (noch) keine einheitlichen Richtlinien oder staatliche Anerkennungsverfahren für die Ausbildung, da die Voraussetzungen für den späteren Tätigkeitsbereich von den jew. Bundesländern, den Landkreisen oder verschiedenen Organisationen eigenständig geregelt und festgesetzt werden.

Deswegen kann sich rein theoretisch jeder als Tatortreiniger ausbilden lassen und als solcher arbeiten – auch ohne eine „richtige“ Berufsausbildung als Grundlage oder zuvor bereits erworbene Fachkenntnisse.

Inhalte sind i.d.R. die Grundlagen der Tatortreinigung, rechtliche Bestimmungen, alles über Verwesung- und Leichengeruch sowie Körpersekretionen und Schwerkraft und deren Beseitigung, Planung entsprechender Maßnahmen, Wissen über Infektionsgefahren und alle Optionen zur fachgerechten Reinigung und Desinfektion, Schädlingsbekämpfung sowie fachgerechte Entsorgung und Dokumentation der Maßnahmen.

Aufgrund der umfangreichen Kenntnisse und Regularien, die in diesem Beruf allerdings notwendig sind, wird in der Regel eine duale Ausbildung in Kombination mit einer dreijährigen Lehre als Gebäudereiniger u.ä. empfohlen. Alternativ besteht natürlich auch die Möglichkeit, zuerst den Ausbildungsberuf zu erlernen. Danach können Sie dann den Tatortreiniger als Zusatzausbildung anschließen. Ebenso ist es möglich, den Quereinstieg ohne jegliche Vorkenntnisse zu wagen. Das kann allerdings im Wettbewerbsvergleich wegen geringerer Qualifikationen und damit verbundener geringerer Gehaltszahlung nicht unbedingt vorteilhaft sein.

Wenn Sie also diesen Berufswunsch hegen, empfiehlt es sich daher, sich vorab gründlich zu informieren und genau abzuwägen, welchen Weg und welche Schulungen man hierfür wahrnehmen möchte und sich in Ruhe die Zeit zu nehmen, erst einmal alle Ausbildungsmöglichkeiten auszuloten und sich erst dann für den sich besten Weg zu entscheiden.

Welche Branchen sind klassisch in der Tatortreinigung vertreten?

Dennoch sind Vorkenntnisse aus anderen, anerkannten Ausbildungsberufen wie der Gebäudereinigung für Sie nicht nur von Vorteil, sondern schon fast obligat, sofern Sie später auch in diesem Bereich tätig werden möchten und den Kurs nicht nur aus Interesse belegen.

Bewerber mit entsprechenden Vorkenntnissen werden meist bevorzugt bzw. entscheiden sich in der Regel aus ihrem Berufsfeld heraus bedarfsbedingt für eine solche Weiterbildung als Zusatzqualifikation, um Einsatzgebiet und somit Einkommensmöglichkeiten zu erweitern.

Genauso oft findet man staatlich anerkannte Desinfektoren, die sich ebenfalls weiterbilden, um Ihr Tätigkeitsfeld und Ihr Fachwissen erweitern zu können. Genau wie Gebäudereiniger bringen sie bereits fundiertes Fachwissen mit, das in der reinen Ausbildung zum Tatortreiniger per se in solchem Umfang gar nicht in der notwendigen Umfänglichkeit vermittelt werden kann.

Nicht selten findet man unter Tatortreinigern auch eine berufliche Kombinationsausbildung. Zum Beispiel aus regulärem Ausbildungsberuf, anschließender Ausbildung zum Desinfektor (nämlich auch kein klassischer Ausbildungsberuf, sondern eine staatlich anerkannte Zusatzqualifikation) UND der Weiterbildung zum Tatortreiniger.  So eignen Sie sich alle notwendigen Fachkenntnisse an, ohne noch Wissenslücken offen zu haben. Meistens treffen diese Erfordernisse für viele andere Berufe auch zu.

Aber auch eine Ausbildung zum Tatortreiniger mit anschließender Ausbildung zum Desinfektor kann sich für Sie lohnen, um einen Quereinstieg ohne Vorkenntnisse zu ermöglichen.

Die Ausbildung soll die Teilnehmer durch Vermittlung ganz fachspezifischer Sonderkenntnisse, Richtlinien und Gesetzesvorschriften, Qualifikationen und Verhaltensweisen in die Lage versetzten, die notwendigen Reinigungs-, Desinfektions- und Sterilisationsverfahren richtig zu erkennen und anzuwenden. Auch Schädlingsermittlungsmaßnahmen gehören mit zu den Lehrinhalten.

Deswegen sind auch oft Schädlingsbekämpfer mit dieser zusätzlichen Ausbildung aufzufinden. Dort sind in vielen Fällen ähnliche Entsorgungs- und Reinigungsanforderungen vorzufinden (z.B. Tierkadaver in Räumlichkeiten). Daher schadet es nie – beruflich sowie finanziell – sich eine solche Zusatzqualifikation angeeignet zu haben.

Welches Gehalt bekomme ich als Tatortreiniger?

Gestorben wird immer, also handelt es sich auf jeden Fall um einen Beruf, der immer deutschlandweit sehr gefragt ist. Zudem bietet Ihnen das Berufsbild Tatortreiniger auch sichere Zukunftsperspektiven. Alleine dies ist ein guter Grund, sich für diesen Beruf zu entscheiden. Natürlich nur, wenn Sie die nötigen persönlichen Voraussetzungen dafür mitbringen. Haben Sie diese nicht, ist von der Tätigkeit allerdings eher abzuraten. Ansonsten werden Sie dauerhaft wahrscheinlich nicht in der Lage sein, das Berufsbild Tatortreiniger auszuüben, da es Ihnen emotional zu sehr zusetzt.

Bringt man dagegen alles für einen solchen Job mit, ist ein weiterer Vorteil ein durchaus attraktives Gehalt. Das sind geschätzt bis oder mehr als 40.000 EUR Jahresgehalt. Aallerdings wie oben auch schon angesprochen abhängig von den mitgebrachten zusätzlichen Qualifikationen.

Wenn Sie also aus Interesse den Quereinstieg wagen wollen oder sich berufsbedingt weiterentwickeln möchten, nutzen Sie die Gelegenheit, um mit nur wenig Zeit- und Kostenaufwand den Schritt in die richtige Richtung zu gehen.

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Thomas Nass


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ich bin Thomas Nass und bin Verantwortlicher für den Inhalt und Aufbau von hygiene-standard.com und Disinfection-shop.com. Ich informiere Sie hier regelmäßig zu neuen Informationen zu den Themen Hygiene, H2O2 Dekontamination und Desinfektion.

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